ADHS: Trenddiagnose oder lange unterschätzte Erkrankung?
Shownotes
ADHS ist aktuell überall präsent – in den sozialen Medien, in Gesprächen mit Freunden und zunehmend auch im öffentlichen Diskurs. Doch was steckt eigentlich hinter der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung?
In dieser Folge von Risiko und Nebenwirkung spricht unser Gast Dr. Benedikt Bradtke, Leiter der Psychotherapie am UKM, über typische Symptome von ADHS und erklärt, warum sich die Erkrankung bei Kindern und Erwachsenen sowie bei Frauen und Männern oft unterschiedlich zeigt.
Außerdem geht es um die Frage, wie ADHS überhaupt diagnostiziert wird – und warum eine fundierte Diagnostik deutlich aufwendiger ist, als viele denken. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf verbreitete Vorurteile, sprechen über den aktuellen ADHS-Boom in den sozialen Medien und diskutieren, welche Chancen, aber auch Herausforderungen die gestiegene Aufmerksamkeit mit sich bringt.
Ihr habt Anmerkungen, Fragen oder Themenvorschläge für unsere nächsten Folgen? Dann schreibt uns eine Mail an podcast@ukmuenster.de oder auf unseren Social-Media-Kanälen (@ukmuenster).
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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Risikonebenwirkungen.
00:00:11: Und jetzt, wo Anja und ich mal wieder zur Zweite sitzen, starte ich direkt mit einer Frage an dich, Anja, in die Folge!
00:00:16: Hand aufs Herz.
00:00:17: Hast du schon mal den Autoschlüssel verlegt, bis mitten im Satz gedanklich abgeschreift oder hast fünf Dinge gleichzeitig angefangen und nichts davon beendet?
00:00:24: Fragst du mich gerade ob das einmal passiert.
00:00:27: also zumindest dass mit den autoschlüssen passiert mir eigentlich quasi jeden tag wahlweise dann auch portemonnaie oder handy kannst du der aussuchen.
00:00:34: Das passiert mehr im rummel des alltags.
00:00:36: am ende kriege ich die dinge aber immer irgendwie auf die kette.
00:00:38: so viel kann nicht sagen
00:00:39: Aber keine Sorge, ich glaube damit bist du bestimmt nicht allein.
00:00:42: Aber wann sind denn solche Momente einfach nur Alltag und wann steckt vielleicht auch mal mehr dahinter?
00:00:47: Genau darüber sprechen wir heute, denn das Thema ADHS ist aktuell präsenter denn je!
00:00:51: Auf Social Media berichten immer Menschen von ihren Erfahrungen gleichzeitig steigende Diagnosezahlen seit Jahren an.
00:00:57: Viele fragen sich deshalb was ist ADHS eigentlich und sind wirklich so viele Menschen wie wir auf Social media sehen betroffen?
00:01:04: Genau um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns wieder fachliche Unterstützung geholt.
00:01:08: Zu Gast ist wieder Dr.
00:01:09: Benedikt Bratke, Leiter der Psychotherapie am UKM.
00:01:13: Wer unseren Podcast regelmäßig hört, kennt ihn vielleicht schon aus unserer Folge zum Thema Handysucht.
00:01:18: Hallo, Benedikt und schön dass du wieder da bist!
00:01:21: Der Gast Ja liebe Anja, liebe Felia.
00:01:24: also ganz herzlichen Dank für eure Einladung.
00:01:25: ich habe mich wirklich sehr gefreut sogar noch mal ein zweites Mal zu euch in den Podcast kommen zu dürfen.
00:01:29: Lass uns doch direkt mal anfangen, was ist ADHS?
00:01:32: und vielleicht um den Bezug zu meiner Anmoderation mit dem Social-Media-Thema.
00:01:36: Ich hab gelesen, dass ADHD der englische Begriff von ADHS ist.
00:01:41: Zu den meist genutzten gesundheitsbezogenen Hashtags auf TikTok zählt.
00:01:45: Damit sehen wir ja, wie relevant dieses Thema ist bei Millionen von Menschen, die das konsumieren.
00:01:51: Aber was genau ist denn ADHS?
00:01:53: Also letztlich ist es eine Erkrankung, die auf Aufmerksamkeitsstörungen, auf Hyperaktivität und Himpulsivität letztlich beruht.
00:02:00: Die eine ganze Menge an Leuten einfach auch betrifft also über drei Millionen Menschen letztlich in Deutschland.
00:02:08: Und es ist insgesamt eine ja muss man sagen neurologische Entwicklungsstörung, die einfach erblich bedingt ist.
00:02:14: Also eine hohe Erblichkeit letztlich hat und wie man einfach früher sagte nicht auf Erziehungsfehler zurückzuführen.
00:02:23: Und bei adäquater Behandlungen sind die Kernsymptome der Erkrankung sehr gut stabilisierbar.
00:02:28: und insgesamt ist ADHS auch nicht von Begabungsniveaus abhängig, sondern von EQ.
00:02:34: Wofür steht denn ADHS genau?
00:02:36: Für
00:02:36: Aufmerksamkeit, Defizit, Hyperaktivitätsstörung?
00:02:39: Das haben wir ja ganz häufig über Kinder gesprochen.
00:02:41: Es ist also erblich, viele denken auch das es eine Krankheit für Kinder und das können Erwachsenen nicht haben.
00:02:47: Stimmt das?
00:02:47: Ja, das ist eine der Erkenntnisse der letzten zehn bis zwanzig Jahre der ADHS-Forschung so gesehen dass man früher immer gedacht hat, man hat es mit einer Kinderkrankheit zu tun.
00:02:57: ADHS beginnt zwar in der Kindheit besteht aber bei vielen Betroffenen bis ins erwachsene Alter fort.
00:03:02: die Symptome verändern sich häufig.
00:03:03: man spricht von dem phänomenologischen Wandel und man kann insgesamt sagen Kinder auch ADHS-Symptome im Erwachsenenalter dann quasi fortgeführt haben.
00:03:13: Aber ihr behandelt hier jetzt vor allem also in deiner täglichen Arbeit Erwachsene?
00:03:17: Wir Bahnhöllen ausschließlich Erwachssene, also ab dem achtzehnten Lebensjahr können Menschen zu uns in die Spezialsprechdouble kommen.
00:03:22: Kommen wir gleich noch mal zu wie sich da die Symptome unterscheiden.
00:03:25: das ist wahrscheinlich sehr explizit tatsächlich bei Kindern und Erwachsenden.
00:03:28: aber du hast es gerade schon gesagt und ich habe es auch ein bisschen angeteasert zumindest was Social Media uns vorlebt Es scheint ja sehr häufig zu sein.
00:03:35: Also wenn man das jetzt mit anderen Krankheiten, die ihr ja auch behandelt.
00:03:39: Die jetzt nicht aus der gleichen Familie kommen aber trotzdem so was wie Depression etc.
00:03:43: ADHS drei Millionen Menschen in Deutschland das ist schon eine ganze Menge und man hört ja auch immer dass der Anstieg an Diagnosen auch sehr groß.
00:03:50: Ich glaube, fast sich verdreifert hat in den letzten Jahrzehnt?
00:03:53: Ja absolut!
00:03:54: Also es gibt eine sogenannte Kicksstudie die das genau untersucht hat und ADAS betrifft circa fünf Prozent der Kinder der Bundesrepublik Deutschland und zwei bis vier Prozent der Erwachsenen.
00:04:04: Und vereinfacht kann man sich einfach auch merken dass jedes zwanzigste Kind und jeder dreißigste Erwachsene an ADAS leidet.
00:04:11: Das ist natürlich ne sehr große Anzahl und betriffe dann im Moment fünf hunderttausend Kinder und zweikommer acht Millionen Erwachsnende.
00:04:17: Kannst du denn erklären, oder die erklären uns?
00:04:20: Warum dieser Anstieg da ist.
00:04:22: Gibt es mehr Menschen, die vielleicht auch ... Ich denk dann so was wie die Covid-Pandemie oder so eine Umweltfaktoren hinzukommen, die anders waren als vor anderen Jahren.
00:04:32: Aber gibt es eine Ursache, warum jetzt der Anstiege da ist?
00:04:35: Die Diagnostik sich verbessert hat und dass die Therapiemöglichkeiten sich verbessern haben.
00:04:39: Und das, wie wir gerade besprochen haben, die öffentliche Aufmerksamkeit sich aufs Thema sehr fokussiert hat da sehe ich so ein bisschen der Grund, warum die Menschen wirklich bereit sind dann auch mit einem weniger Stigmatisierungsgefühl sozusagen in die Ambulanzen zu kommen und sich am Ende des Tages eine letztlich Diagnose im Zweifel einfach stellen zu lassen.
00:05:00: Weil man nach einer wichtigen Studie von Kittl Schneider sogar herausgefunden hat das ADHS letztlich noch sogar unterdiagnostiziert in Deutschland ist.
00:05:09: Also das ist ein bisschen ein anderes Rohr getutet sozusagen, da gehen wir sogar davon aus dass noch eine hohe Dunkelziffer sozusagen der Bundesrepublik Deutschland herrscht.
00:05:20: Aber ich würde nochmal fragen wollen wenn ich jetzt richtig nachgerechnet habe nicht jeder Junge der diagnostiziert ist und nicht jedes Mädchen das Diagnostiziert ist im Erwachsenenalter auch noch ADHSlerin?
00:05:31: Genau, das ist vollkommen richtig.
00:05:32: Wir haben auch den klassischen Fall, dass sich die Symptomatik im Kindesalter herauswachsen kann aber wir sehen bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen also bei siebzig bis achtzig Prozent nach aktueller Studienlage, dass ich diese Problemseute mag, geht dann einfach auch in sehr wachsender Alter fortsetzen.
00:05:46: Und weiß man woran das liegt?
00:05:48: Dass es beim Männchen so ist und mal anderen nicht!
00:05:50: Nee, das weiß man nicht genau.
00:05:51: Man geht von einer Neuroentwicklungsstörung mehr oder weniger aus, die lebenslang uns betrifft und am Ende des Tages sich weniger herauswächst als es letztlich über lange Zeiten angenommen worden ist.
00:06:01: Und am Ende sind wir natürlich alle darauf bedacht, die Betreffenden entsprechend gut zu therapieren und gegebenenfalls auch zu medizieren.
00:06:11: Anja, wenn ich an ADHS denke, dann denk ich ehrlicherweise immer an ... Jungs, die irgendwie über Tisch und Stühle rennen.
00:06:18: Und wo man das Gefühl hat, sie sind wirklich nicht zu kontrollieren?
00:06:22: Wie denkst du an ADHS, wenn du an diese Diagnose denkst?
00:06:26: Ähnlich wie du.
00:06:27: Ich weiß aber auch, dass es sehr viel mit Impulskontrolle zu tun hat und das Betroffene dann durchaus mal ihre Emotionen sehr laut sofort ungefiltert kundtun.
00:06:37: Das gehört auch teils in diese Spektrum.
00:06:39: Da merkt man wahrscheinlich schnell an sich selbst, wie man da vielleicht schon selber diagnostiziert so ein bisschen, wenn man Kinder oder Jugendliche um sich hat.
00:06:47: Aber woran erkennt man denn wirklich ADHS?
00:06:50: Kann man das überhaupt als Laie oder ist das eigentlich unmöglich?
00:06:53: Letztlich ist es so, dass die drei Kernsymptome von euch gerade ein Stück weit benannt sind.
00:06:57: Das ist einmal die Hyperaktivität, die Aufmerksamkeitsstörung und die Impulsivität.
00:07:00: also da gucken wir ganz genau hin.
00:07:03: im erwachsenen Alter kommt dann noch meist die Desorganisation also Vergesslichkeit letztlich einfach auch dazu und die sogenannte emotionale Dysregulation Also das man unter starkem Stimmungsschwankungen letztlich auch leidet.
00:07:15: insgesamt muss man sagen gibt es nach DSM-Fünfkriterien Neun, die sich auf die Aufmerksamkeit beziehen und neun weitere, die sie sich auch auf die Hyperaktivität und Impulsivität beziehen.
00:07:27: Und da gucken wir dann sehr genau bei den Patienten hin, welche der Kriterien dann wirklich auch erfüllt sind und kommen da nach längerer Beobachtung noch einbezog vieler weiteren Kontextfaktoren zu einer Diagnose oder eben
00:07:40: nicht.".
00:07:41: Das ist ja ganz schön schwierig.
00:07:42: Ich weiß nicht, wie es dir geht aber ich würde bei vielen Sachen auch sagen gut das hat wahrscheinlich jeder mal dass man mal desorganisiert ist oder dass man einmal Stimmungsspankung hat gerade als Frau.
00:07:52: da kommen wir noch viele andere Sachen hinzu.
00:07:54: das ist ja gerade bei Erwachsenen bestimmt nicht so einfach zu diagnostizieren
00:07:57: Genau!
00:07:58: Also wichtig ist, dass die Diagnostik vor dem zwölften Lebensjahr mehr oder weniger gestellt worden sind.
00:08:04: Dass diese Symptome ein Leidensdruck bei den Patienten auslösen und dass sie in mehreren Lebensbereichen auftreten.
00:08:13: Da ist noch mal ein ganz wichtiger Punkt der abzugrenzen ist um wirklich zu sagen Ist das jetzt eher eine Alltagsbeschwerde?
00:08:19: Oder ist es wirklich über ein zeitliches Kontinuum vorhanden?
00:08:23: Aber es kommen ja auch Leute zu euch, die erst als Erwachsene zu euch kommen und dann auf den Gedanken gekommen sind.
00:08:28: Teils durch äußere Reaktionen eben.
00:08:29: Lasst das mal überprüfen bitte!
00:08:31: Und die haben ja diese Diagnostik vor dem zwölften Lebensjahr eher nicht?
00:08:35: Genau.
00:08:35: aber da muss man sehr genau mit entsprechenden Testverfahren einfach auch schauen ob entsprechende Auffälligkeiten dann einfach retrospektiv irgendwo auch so vermerken sind und was für uns ein ganz wichtiger Hinweis ist in die sogenannten Grundschulzeugnisse.
00:08:48: also letztlich dass Lehrer dann einfach auch beschreiben ist kaum in den Griff zu bekommen, geht über Tische und Bänke.
00:08:56: Fällt anderen ins Wort?
00:08:57: Das sind so die typischen Formulierungen, die Grundschullehrer letztlich dann verwenden um ein Stück weit einfach auch darzustellen das gegebenenfalls an eine ADAS-Problematik gedacht werden muss.
00:09:08: Wie stehst du denn zu dem Phänomen, das sehr viel Betreuen des pädagogisches Personal?
00:09:12: Das ist jetzt egal ob Kita oder Schule.
00:09:15: Dann eben auch in der Pflicht es einerseits vielleicht Eltern darauf aufmerksam zu machen euer Kind verhält sich anders als andere Kinder aber eben teilweise schon auch von sich aus hingehen und sagen lasst das bitte überprüfen.
00:09:25: Ja ich finde es wichtig dass es sehr schnell überprüft wird weil es einfach so ist je früher die Diagnose gestellt wird desto schneller einfach auch klar für den späteren Lebensweg.
00:09:35: wir haben unheimlich gute Effekt stärken bei beispielsweise bei der Medikamentösentherapie oder auch dem psychotherapeutischen Ansätzen.
00:09:41: Sodass wir wirklich einfach sagen können, da können Lebenswege die anderweitig gefährdet wären in Ausbildung und Privatem gut aufgefangen werden.
00:09:52: Da rate ich dazu eine sehr große Sensitivität zu entwickeln und im Prinzip dann schon schnell in die Diagnostik zu
00:10:00: gehen.".
00:10:00: Aber das ist natürlich schwierig wenn wir von Stigmatisierung sprechen einerseits, wenn man schon direkt als Kind vielleicht diesen Stempel ja du bist ein ADHS Und aber es ist natürlich auch immer noch andere Ursachen gibt, die sicherlich dazu beifüllen können.
00:10:12: Dass Kinder vielleicht über Tisch und Schüler rennen.
00:10:14: Du hast ja vorhin gesagt bei Erwachsenen ... Man ist so eingeschränkt in seinem Leben, dass man das nicht normal bestreiten kann.
00:10:19: Das ist ein Grund, sich Hilfe zu holen.
00:10:21: Bei Kindern muss das jemand von außen beurteilen können?
00:10:23: Absolut!
00:10:23: Das ist wahrscheinlich nicht einfach da... objektiv draufzugucken und das einschätzen zu können, oder?
00:10:29: Genau.
00:10:29: Da ist es wichtig in unserer Diagnostik immer auch eine Fremdanamese zu erheben.
00:10:33: Also teilweise wir auch in unserer Spezialambulanz dann wirklich Angehörige kommen lassen die so ein Stück weit die Fähigkeit haben noch mal einen ganz anderen Blick auf die Problematik letztlich zu werfen, die sehr gut den Lebensverlauf darstellen können und alles nochmal aus einer anderen Lebensperspektive betrachten.
00:10:49: also da sind wir sehr dankbar einfach dafür dass dass es besser objektivierbares Bild dann auch gibt.
00:10:57: Gerade Frauen wurden bisher immer seltener diagnostiziert, woran liegt das?
00:11:03: Wie unterscheiden sich die Symptome zwischen Männern und Frauen?
00:11:05: Frauen sind relativ häufig vom unaufmerksamen Typ.
00:11:08: Das sind nicht die Patienten, die über Tische und Stühle rennen.
00:11:12: Die anderen Leuten ins Wort fallen, das sind eher die, die im Klassenraum mal still aus dem Fenster geguckt haben geraten sozusagen nicht so wirklich unter den diagnostischen Radar.
00:11:23: Die fallen nicht so auf?
00:11:25: Und deshalb ist es relativ häufig so, dass die Frauen dann einfach auch später diagnostiziert werden.
00:11:31: und gerade gibt's auch sehr viele Bemühungen in der Forschung, das ADA ist der Frau ein Stück weit besser zu verstehen was ich für unheimlich wichtig halte.
00:11:38: Aber kann man denn sagen, gibt es mehr Männer oder mehr Frauen, die betroffen sind oder ist das gleich?
00:11:42: Also es gibt bei den Jugendlichen deutlich mehr Männer.
00:11:44: da ist das Verhältnis drei zu eins muss man sagen.
00:11:47: also da sind die Jungs in der Überzahl.
00:11:50: Also bei den Erwachsenen gleicht sich das so ein Stück weit dann einfach auch an.
00:11:53: Da haben wir dann einen Verhältnis von zwei zu eins, also ein stückweit rückgängiges Bild was sich dort ergibt.
00:11:59: grundsätzlich aber man insgesamt sagen kann Männer sind so ein Stück weit in der Überzahl.
00:12:03: Das ist der Fall
00:12:04: Wenn du beschreiben solltest mit welchem Symptomen kommen erwachsene diagnostizierte Patienten zu euch?
00:12:10: Ich vergesse alles ist ganz klasse.
00:12:12: ich verzelle mich ich kann nichts zu Ende bringen ich schiebe alles auf.
00:12:16: ich merke dass ich immer unter Strom stehe dass ich unruhig bin, dass auch meine Arbeit nicht richtig priorisieren kann und dass ich im Prinzip auch nicht einfach in sozialen Interaktionen bin.
00:12:27: Also das ich bei Streitigkeiten mal schnell an die Decke gehe, dass sich andere in Gespräche unterbreche – das sind typische Symptome der ADRS-Problematik, die dann am Ende des Tages von uns abgefragt werden und dann in ein Continuum mehr oder weniger gebracht werden um hinterher wirklich eine klinische Diagnose stellen zu können.
00:12:42: Denn eins ist noch einmal ganz wichtig zu sagen es gibt keine Laborwerte oder was die eine ADR ist, beweisen können.
00:12:49: Es ist immer letztlich fußend auf einer ausgeprägten klinischen Diagnose.
00:12:54: Stelle ich mir hier in so einer studierenden Stadt wie Münster vor, dass da sicherlich sehr viele Menschen zu euch kommen?
00:12:59: Weil natürlich wahrscheinlich ne Drucksituation wie jetzt ein Jurastudium, Medizinstudium
00:13:02: etc.,
00:13:03: sehr viel von einem verlangt, weil du auch das Thema Prokrastination ansprichst oder Impulsivität ... sich organisieren können.
00:13:10: Das sind ja alles Dinge, die gerade im Studium noch mal mehr von einem gefordert werden als vielleicht in einer Ausbildung oder der Schule?
00:13:15: Genau das erleben wir auch regelmäßig in unserer Ambulanz.
00:13:18: also dass am Ende des Tages zu der Schulalltag noch sehr gut strukturiert ist.
00:13:22: da gibt es die Lehrer, die hinter einem herlaufen und die Eltern, die die Tage und die Aufgaben so ein Stück weit strukturieren.
00:13:28: wenn ich dann aber in mein Studium komme, da sind dann höhere Anforderungen.
00:13:31: Da muss ich auf lange Klausuren hin lernen, da muss ich für Staatsexamen mich vorbereiten frustriert sind, teilweise dann auch dazu eine eigene Studie sehr schnell abzubrechen und am Ende des Tages Sekundär, teilweise dann auch weitere psychische Erkrankungen zu entwickeln.
00:13:48: Weil man kann sich vorstellen dass die Patientinnen und Patienten das auch so ein Stück weit internalisieren.
00:13:53: So nach dem Motto ich bin nicht diszipliniert genug Ich bin vielleicht auch zu faul für einen Studium Und das stellt sie dann unter große Herausforderung und ja lässt einen Lebensweg dann teilweise wirklich hart auf die Probe stellen.
00:14:05: Du
00:14:05: hast da gerade was erwähnt.
00:14:06: inwieweit gibt es denn Co-Mobby?
00:14:07: Die Chäten die ganz Typisch sind für ADHS?
00:14:10: Ja,
00:14:10: eine ADHS kommt selten allein.
00:14:12: Also letztlich ist es so dass nach Studienlage seventy-fünf Prozent aller Kinder und eighty fünf Prozent sogar alle Erwachsenen mindestens eine weitere psychiatrische Diagnose haben.
00:14:22: Letztlich führende sind die Depressionen, die Angststörungen teilweise dann aber auch die Persönlichkeit Störungen Und die Schlafstörungen, die da auch in Erwägung zu ziehen sind und das sogenannte Restless Legs-Syndrom.
00:14:34: Was wir am Ende des Tages immer noch sehr erfragen, wenn sich die Patienten bei uns eine Diagnostik mehr oder weniger vorstellen.
00:14:44: Weil man so ein Stück weit natürlich die Hyperaktivität richtig einschätzen muss.
00:14:47: Also ist jemand letztlich aufgrund seiner ADAS ständig unter Strom, läuft wild hin und her, muss ständig irgendwo oder meidet Kinobesuche oder längeres still sitzen?
00:14:58: Oder ist es fußend auf einer letztlich neurologischen Erkrankung, die dann auch noch mal von den neurologischen Kollegen sehr gut diagnostiziert werden kann?
00:15:05: Ja da kommt einiges zusammen.
00:15:06: das macht wahrscheinlich die Diagnose nicht unbedingt einfacher und bedarf wahrscheinlich vieler viele verschiedene Ansatzpunkte.
00:15:14: Wie geht ihr da vor, wenn jemand sich bei euch ... Wir gehen jetzt mal vom Erwachsenenalltag aus bei euch vorstellt und sagt ich glaub, ich hab das?
00:15:21: Ja also wir sind keine Schnelltestambulanz wie das so an vielen Stellen manchmal bemängelt wird von den Hilfesuchenden.
00:15:30: Letztlich ist es so dass für eine Diagnosestellung bei uns in aller Regel fünf Termine, fünf ambulante Termine wirklich stattfinden wo wir uns ein sehr klares Bild über den Patienten zum einen machen Lebensgeschichte, Grundschulzeugnisse.
00:15:43: Ich bin gerade darauf eingestiegen.
00:15:44: also ab wann sind die erste Symptome mehr oder weniger aufgetreten?
00:15:48: In einem zweiten Schritt machen wir es uns dann insofern nochmal gar nicht leicht weil wir sehr viele selbst- und fremdbeurteilungsbögen hinzuziehen wo wir so ein Stück weit versuchen herauszufinden ist dieser ADAS Problematik auch wirklich seit dem zwölften Lebensjahr irgendwo auch nachweisbar?
00:16:03: und am Ende machen wir eine sogenannte neuropsychologische Testung wo wir Aufmerksamkeit, Exekutiefunktionen, verbale Lernfähigkeit zu ein stückweit testen Und das machen wir einmal mit und einmal ohne Ritalin.
00:16:14: Und teilweise sehen die Patientinnen und Patienten nach der Einnahme von Ritalinen dann schon relativ zeitnahe Effekte, wo sie dann einfach auch sagen können ich war besser konzentriert, Ich war besser fokussiert, ich konnte mich besser auf die Aufgaben einlassen also letztlich schon relativ schnelle Effekten, die man im Prinzip im Rahmen einer solchen Testung dann wirklich auch sehen kann.
00:16:33: Also man sieht es ist total komplex ihr macht da sehr viel.
00:16:36: was hältst du denn dann von Tests, die es ja auch durchaus im Internet gibt?
00:16:40: Selbst Tests, die man einfach ausfüllen kann und dann weiß man unter dem Strich angeblich ist es das oder nicht.
00:16:45: Ja
00:16:45: also die finde ich teilweise ein wenig kritisch weil diese Tests auch mal in Studien mehr oder weniger beleuchtet worden sind und teilweise unvollständig waren.
00:16:52: Also dem Krankheitsbild nicht gerecht wurden.
00:16:55: was man aber mit Fug und Recht behaupten kann ist dass das ein Einstieg sein kann.
00:16:58: Also zunächst einmal wirklich einen Gefühl dafür zu bekommen kommen die Symptome mir entgegen also sind die Teil meines Lebens quasi als Ersteindruck, aber sie sollten nie dafür herhalten um letztlich eine finale Diagnose stellen zu können.
00:17:13: Jetzt hast du das Ritalin gerade schon erwähnt?
00:17:14: Kommen wir mal zur Therapiemöglichkeit!
00:17:17: Die ist medikamentös oder?
00:17:19: Die ist nicht zwangsläufig medikamentös, also ADAS heißt nicht zwangsläufig dass ich Medikamente einnehmen muss sondern letztlich das erstmal eine Diagnose erst mal auch festgestellt.
00:17:30: Es gibt wichtige Baustellen.
00:17:31: es ist einmal die sogenannte Psychoeducation.
00:17:33: wir versuchen die Patienten zum Profi im eigenen Krankheitsbild mehr oder weniger zu machen.
00:17:39: Auf der anderen Seite ist es die Psychotherapie, die sich nach Studienlager einfach auch sehr bewährt hat.
00:17:43: Also da gibt's die Dialektisch-Biavirale Therapie oder die Kognitive Verhaltenstherapie, ... ... die sich da sehr bewert hat.
00:17:49: und dann gibt's das was ihr gerade angesprochen habt auch noch mal die Medikamentösefrage.
00:17:53: Das ist letztlich so
00:17:55: dass
00:17:55: Medikamente wie Ritalin man insgesamt sagen kann eine sehr hohe Effektstärke haben.
00:17:59: Das heißt mit Ergabe von Ritalinen kriegen letztlich ja siebzig bis achtzig Prozent aller Hilfesuchenden ein sage ich mal symptom stabilisierendes Bild, also die Medikamente sprechen dann in dem Kontext einfach auch an.
00:18:14: Deshalb ist es so wenn eine ADHS gesichert ist, wenn wir mehr oder weniger ein Leidensdruck in mehreren Lebensbereichen feststellen dass wir dann schon dazu raten Medikament zu nehmen.
00:18:26: das ist schon eine wichtige Komponente die aber nicht zwingend ist.
00:18:31: Bei den Eltern meiner Generation war's immer so Ritalin oh mein Gott will ich das meinem Kind geben?
00:18:38: Das kann ich ja nicht machen.
00:18:39: Da greife ich irgendwo in den Neurotransmitterhaushalt ein und ich weiß nicht, welche Nebenwirkungen das hat?
00:18:44: Ist
00:18:44: Ritalin oder das andere Mittel des Namen mir gerade nicht einfällt?
00:18:48: Das ist das Listex-Ampfetamin, das ist das Evanse also das Second Line Preparat genau.
00:18:53: Sind die denn per se irgendwie gefährlich?
00:18:56: haben die Nebenwirkung und wenn ja welche?
00:18:58: Bei richtiger Anwendung sind sie nicht gefährlich.
00:19:00: Das kann man ganz klar sagen, bei einer wirklich fachmännisch gestellten Diagnose sind wir im Prinzip in der Lage dieser Medikamente mit... guten Gewissen zu verschreiben.
00:19:11: Nebenwirkungen haben alle Medikamente, da muss man jetzt sagen es ist die Schlafstimmung das kann mal Kopfschmerzen geben, man muss auf den Blutdruck achten.
00:19:17: dass auf jeden Fall.
00:19:19: Das hält sich aber dann in Grenzen wenn man vom Fachmann wirklich mit einer vorsichtigen Eindosierung dann einfach auch versehen wird und die Medikamente dann vorsichtig eintitriert werden.
00:19:29: ja das ist nochmal ein großer Unterschied zum Menschen die beispielsweise Ritalin einnehmen um eine Leistungssteigerung zu erzielen.
00:19:36: Und da wird geguckt, auf welches Medikament dich jetzt am besten anspreche?
00:19:39: Genau.
00:19:39: Das Methylfinidad, du hattest es gerade angesprochen, das ist laut der ... aktuellen S-III-Lightlinie, das Firstline-Präparat was man probieren sollte.
00:19:47: Das wird ein bis zweimal pro Tag letztlich einfach dann auch gegeben und dann wird auf die Effekte geschaut wenn sich dann zeigt dass wir es mit einer Non-Response zu tun haben.
00:19:56: Dann gibt es noch das sogenannte Listex am Vitamin, das sogenannt Elvanse Was nochmal so ein Stück weit ich habe den Eindruck an wenig Wirkspächer ist was aber nur einmal am tag gegeben werden muss was noch mal eine andere Pharmacokinetik folgt.
00:20:09: Letztlich sind das die beiden Stimulanzien geben kann.
00:20:13: Es gibt auch noch die Non-Stimulanzien, das sogenannte Atomoxetin oder Stratera.
00:20:17: Das ist ein selektiver Nordadrinager Inhibitor der gegeben werden kann wenn beide Medikamente nicht zielführend gewesen sind oder wenn wir parallel auch noch eine Angst oder eine Suchterkrankung mehr oder weniger es mit einer Angst oder Suchterkrankungen zu tun
00:20:30: haben.
00:20:30: Nun würde
00:20:31: ja
00:20:32: jemanden der ARRS hat egal ob Erwachsener oder Kind das jeden Tag nehmen.
00:20:36: was hältst du denn davon?
00:20:37: Pausen in der Medikation einzunehmen?
00:20:39: Halt
00:20:39: ich ehrlich gesagt nichts von, weil dann letztlich einfach auch Tal und Hoch mehr oder weniger im Plasmaspiegel entstehen.
00:20:46: Wir plädieren immer dafür mehr oder weder das Medikament kontinuierlich einzunehmen.
00:20:50: was aber noch mal ganz wichtig ist und was die Leitlinien auch vorschreiben Das ist ein sogenannte Auslassversuch.
00:20:55: also dass sich Zumindest einmal im Jahr versuche, über einen längeren Zeitraum ohne Medikament auszukommen.
00:21:02: Um am Ende des Tages dann einmal zu schauen hat vielleicht Psychotherapie und Psychoeducation haben vielleicht auch Selbsthilfegruppen dazu beigetragen dass die Problematik mehr oder weniger stabilisiert ist.
00:21:13: aber grundsätzlich muss man sagen in den meisten Fällen erleben wir schon wirklich eine dauerhafte Einnahme des Präparates.
00:21:19: Das heißt ein Leben lang Medikamentösebehandlung bei ADHS.
00:21:23: Ein Leben lang, so kann man sagen wobei natürlich Leute die dann irgendwann auch aus dem Arbeitsleben ausscheiden, dann häufiger dann auch sagen ich kriege jetzt sozusagen meine kognitiven Verpflichtungen auch adäquat selbst organisiert.
00:21:38: Dann setze ich es von mir aus ab und gehe dann ohne Ritalin durch die Rentenzeit.
00:21:42: das haben wir auch schon häufiger erlebt.
00:21:43: Ich habe letztens irgendwo ein Video gesehen da war irgendjemand hat einen Reporter in so einer adhs im Internat mit ADS-Kindern.
00:21:52: Und da wurde Neurofeedback auch
00:21:54: gemacht,
00:21:55: das ist ja noch was, was nicht so ganz erforscht ist wie gut das funktioniert?
00:21:58: Wie ist deine Meinung dazu und kannst du kurz erklären, was für alle die ...
00:22:01: Ja also Neuro Feedback kann man grundsätzlich sagen war lange sehr gehypt als eine klassische Behandlungsoption.
00:22:09: letztlich hat sich aber herausgestellt dass ja Neuro feedback am Ende des Tages nicht in die Leitlinien aufgenommen werden sondern eine offene Empfehlung ist und ich bislang letztlich auch nur gesehen habe, dass das aus privater Hand getragen wird bei Hilfesuchenden.
00:22:23: Bei denen viele therapeutische Versuche frustran verlaufen sind.
00:22:27: Letztlich können wir da keine klare Empfehlungen aussprechen und deshalb haben wir uns auch dazu entschlossen es in der Klinik nicht anzubieten.
00:22:32: Das ist ja so ein bisschen ... Man guckt sich irgendwas an und versucht, sich darauf aktiv zu konzentrieren.
00:22:37: Und die Hirnströme werden gemessen oder irgendwie so vereinfacht ausgedrückt?
00:22:40: Vereinfacht
00:22:41: auch gedrückt.
00:22:43: So sah es für mich zumindest aus als
00:22:44: Zuschauerne.
00:22:45: Kann man denn auch als Betroffener selbst was dazu beitragen?
00:22:49: Da hast du schon verschiedene Sachen wie Psychotherapie etc.
00:22:51: angesprochen.
00:22:52: Es gibt manchmal wieder den Punkt Ernährung.
00:22:55: Also ich glaub da gibts keine richtig gute Studie- oder keine
00:22:58: ... Ja, auch da gab es mal einen Hype und das waren die Omega-III-Fettsäuren.
00:23:02: Man war letztlich der Meinung dass Omega-II Fettsäure in die ADHS Problematik über die Maßen stabilisieren kann.
00:23:09: Das wurde dann auch über die Medien letztlich sehr intensiv publiziert.
00:23:14: Jetzt weiß man aber mittlerweile laut Studienlage Dass die Effekte die Omega III Fatsäuren bei regelmäßiger Einnahme haben allenfalls als Dezent zu beschreiben sind.
00:23:23: Man muss insgesamt sagen, was eine ADHS-Problematik stabilisieren kann ist der Ausgleich von Mangelsymptomen.
00:23:29: Der grundsätzlich ja immer so ein Stück weit auch zu empfehlen ist also letztlich Eisenmangel, Magnesiummangel solche Dinge auszugleichen.
00:23:37: das ist nochmal ein ganz wichtiger Punkt der für ADHSler stets bedacht werden sollte.
00:23:42: Gehört denn dann bei der Untersuchung, wenn jetzt bei euch jemand sich in der Klinik vorstellt auch eine physiologische Untersuchungen dazu?
00:23:48: Also werden da noch eben sowas wie Blutwerte etc.
00:23:50: andere körperliche Dinge untersucht um das eben schon mal abzukassbern?
00:23:54: Wir machen letztlich immer ne neurologische Untersuchen und um letztlich einfach auch neurologische Grundleiden ausschließen zu können.
00:24:02: Und auf der anderen Seite ja machen wir schon eine ganze Palette an Labor-Untersuchungen muss man sagen.
00:24:06: Man muss beispielsweise die Schilddrüsenwerte testen vor einer Ritalin Einstellung.
00:24:10: Das ist uns sehr wichtig.
00:24:12: Und letztlich, wenn wir das Gefühl haben... Das ist dann falsch spezifisch mehr oder weniger gesehen.
00:24:17: Wir haben es mit einer Mangelsymptomatik in unterschiedlichen Bereichen zu tun.
00:24:20: Dann machen wir auch entsprechende Testungen.
00:24:21: Das ist jetzt nicht zum Standardprogramm.
00:24:23: Aber wir denken jedenfalls dran und werden eventuell tätig, wenn sich ein konkreter Verdacht
00:24:28: ergibt.".
00:24:28: Jetzt leben wir ja in Zeiten von Selbstoptimierung.
00:24:32: Darum kann es bei Menschen mit ADS eigentlich nicht gehen, sondern die müssen erst mal Strategien finden, Coping-Mechanismen überhaupt sinnvoll durch ihr Leben zu kommen die sie sich gesetzt haben.
00:24:42: Was gebt ihr denen mit an die Hand?
00:24:44: Letztlich ist Struktur das A und O, Struktur geht über Disziplin, Struktur geht über Motivation.
00:24:50: also wir haben letztlich immer einfach auch einen guten Ansatz mit den Patienten den Tag zu strukturieren, letztlich Routinen einzuführen, Entscheidungshilfen mehr oder weniger zu etablieren.
00:25:03: und am Ende des Tages muss man sagen sind die Angehörigen ganz wichtiger Teil der Lösung.
00:25:07: da erleben wir wie wichtig in der Partnerschaft oder in der Familie einfach auch Dritte unterstützend eingreifen können und die Leute dazu unterstützen können, gewisse Routinen für sich zu etablieren.
00:25:18: Und am Ende des Tages mit ADAS-Symptomen gut umgehen zu können.
00:25:24: Prokrastination ist ja ein ganz häufiges Symptom.
00:25:27: Wie kann ich denn strategisch vorgehen als Betroffener?
00:25:30: Ich habe jetzt zum Beispiel eine Masterarbeit vor mir und weiß, die muss ich dann in drei Monaten abgeben.
00:25:35: Das scheint mir aber ein Ziel was total weit weg ist.
00:25:37: wie schaffe ich die Etappen dorthin?
00:25:39: Mit
00:25:39: Lernstrategien, also das ist nochmal ganz wichtig.
00:25:42: Wir sind da gute Berater und das können wir noch mal in die Show Notes mehr oder weniger stellen, die dann den Patenten so ein bisschen nahe legen.
00:25:50: Da gibt es eine zwei Minuten Regel, da gibt's eine sogenannte Eisenhower Matrix, da gibts eine Pomodoro-Technik, also da gibt es unterschiedliche Lernstrategien mit denen man sehr gut arbeiten kann und wo wir genau in dieser Situation schon vielen Leuten einfach auch helfen konnten.
00:26:02: Die schaden wahrscheinlich auch nicht, wenn man kein ADAS hat.
00:26:04: Also das ist wahrscheinlich immer gut eine der Strategie zu haben?
00:26:07: Absolut und so ein Stück weit in Anknüpfung zur letzten Folge die wir aufgezeichnet haben miteinander einfach auch die Kontrolle sozialer Medien digitaler Medien also dass eine reizfreie Umgebung geschaffen worden ist weil
00:26:19: ja das wäre jetzt die Frage was denn so trigger.
00:26:21: Absolut, ne?
00:26:22: Und ADAS-Strahler sind relativ häufig reizüberflutet und haben auch ein Problem damit ihre Aufmerksamkeit letztlich einfach zu steuern.
00:26:30: Also einen ADAS Strahler der ein Handy sozusagen auf dem Schreibtisch liegen hat, der wird deutlich häufiger mal reinschauen und ich hatte ja beim letzten Mal schon auf die Studie aus Paderborn hingewiesen, Handy auf dem Tisch ist dreißig Prozent weniger Lernleistung.
00:26:43: Gut
00:26:44: dass mein Handy jetzt gerade auf den Tisch
00:26:45: liegt!
00:26:47: Ich aber nicht lerne...
00:26:49: Ganz viel über die Probleme von Menschen mit ADHS geredet.
00:26:53: Wir haben aber überhaupt noch nicht beleuchtet und die gibt's ja durchaus auch, es gibt Stärken von Menschen Mit adhs.
00:26:58: erstens welche sind?
00:27:00: Wo können die sich besonders einbringen mit ihren Stärken und wie merken sie das auch selbst?
00:27:05: Also es gibt wirklich Stärkungen, die teilweise wirklich beeindruckend sind.
00:27:07: Das muss man sagen.
00:27:08: was man in der ADAS-Ambulanz auch wirklich erlebt also was ich häufig erlebe ist ein hohes Maß an Kreativität, an Spontanität, An Begeisterungsfähigkeit Flexibilität Und ja dem sogenannten Hyperfokus den aufzubauen also mich auf eine Situation so konzentrieren dass ich Zeit und Raum komplett irgendwo auch vergesse.
00:27:28: Und es gibt ja auch extrem erfolgreiche ADAS-Lang.
00:27:31: Michael Phelps, der erfolgreichste Olympianiker aller Zeiten ist ein Beispiel dafür oder Will Smiths als Schauspieler sehr erfolgreiches.
00:27:38: Also ADAS kann durchaus einfach auch gewisse Potenziale auch entfalten so will ich mal sagen.
00:27:43: Ja
00:27:44: landen dann solche Menschen zwangsläufig eher in gestalterischen darstellerischen oder künstlerischen Berufen?
00:27:49: Oder in unternehmerischen berufen?
00:27:50: das erleben wir ganz häufig dass einfach auch der Mut zum Risiko dem ADAS vielleicht ein Stück weit zugeschrieben werden kann und ich immer wieder erstaunt bin unserer Ambulanz, ja wie teilweise dann einfach auch Leute trotz der ADAS-Belastung sehr erfolgreiche Unternehmer geworden sind.
00:28:07: Also ADAS als Chance mehr als Hindernis?
00:28:10: gar nicht schlecht für uns alle.
00:28:12: Kann so ein bisschen Antrieb geben, vielleicht?
00:28:13: Ja ich will immer da vorwahren einen Stück weit dieser ADAS Superkraft zu beschreiben.
00:28:18: also das macht gerade die Literatur relativ intensiv.
00:28:21: Ich würde es eher so ein Stück weit vielleicht auch so nennen dass ADAS durchaus ein Talent Signal sein kann.
00:28:26: so will ich mal letztlich, es formulieren.
00:28:29: Das ist ein schönes Wort!
00:28:31: Genau ich habe einen Talent-Signal.
00:28:33: wo wir jetzt auch noch nicht drüber gesprochen haben sind ja so ein bisschen die Ursachen.
00:28:36: also du hast das natürlich schon angerissen am Anfang oder gerade in deiner deiner ersten Antwort auch zum Thema Genetik also dass ein großer Teil tatsächlich genetisch genetische Veranlagung bei ADHS aber viele denken natürlich immer direkt an Erziehungen Umwelt.
00:28:51: was hat das Elternhaus damit zu tun ob ein Kind mit adhs aufwächst oder nicht.
00:28:56: Wie ist da so die Studienlage und auch eure Expertise aus der Klinik?
00:28:59: Ja, also letztlich muss man wirklich sagen, die genetische Komponente ist die stärkste Komponentin.
00:29:04: Das auf jeden Fall.
00:29:05: wir reden von einer Heretabilität von siebzig bis achtzig Prozent nach einer Studie von Pharaone und Lassen vor kurzer Zeit.
00:29:11: Man muss sich das einfach so vorstellen.
00:29:13: wenn ich einen ADHS-Betroffenen im engsten Familienkreis habe, also ersten gerade hab' ich eine drei bis fünffach erhöhte Risikkokonstellation dass ich es selber einfach auch bekomme.
00:29:23: Umweltfaktoren können aber das Risiko so ein Stück weit beeinflussen oder Symptome verstärken.
00:29:28: Was dazu nennen ist, ist Frühgeburtlichkeit, Nikotinkonsum der Mutter und Alkohol-Konsum.
00:29:35: In der Schwangerschaft?
00:29:36: Ja.
00:29:36: Und generell, wo man aufwächst ... Das Familienverhältnis zu Hause, die Eltern sind vielleicht kurz vor einer Scheidung.
00:29:43: Es gibt viel Streit zuhause.
00:29:44: Ich hab sieben Geschwister und ich bin das Jüngste.
00:29:48: Wer hat die ganze Zeit nicht beachtet, können solche Dinge auch Teil davon sein?
00:29:53: Ja, da gehen wir jetzt wieder so ein bisschen in die Vergangenheit zurück.
00:29:55: Früher hat man immer so'n Stück weit gedacht dass das einfach auch mit einer fehlerhaften Eltern-Kindbeziehung zusammenhängt, dass sich ADA ist entwickelt.
00:30:01: Das hat mein Leichenhang auch wissenschaftlich beleuchtet und man hat keine Hinweise darauf gefunden.
00:30:05: Man muss natürlich sagen der Erziehungsstil kann auch unterstützen also da wo mir Struktur gegeben wird.
00:30:10: Da entwickel ich dann gegebenenfalls auch Kompensationsstrategien und gewisse ADAS.
00:30:14: Symptome können sich weniger adäquaternd wirklich einfach aus... Ausbilden muss man einfach auch sagen.
00:30:19: Also Erziehung ist nicht der Auslöser von ADHS, aber Erziehungen sind wichtig im Kontext der ADHS.
00:30:23: Kann
00:30:24: Symptome quasi etwas weniger ausprägsam machen?
00:30:26: So würde
00:30:27: ich sagen das ist gut formuliert.
00:30:28: Ja so können wir das stehen lassen.
00:30:29: Weil jetzt ja ebenso mehr wird bei uns Social Media generell dass man mit Menschen vielleicht auch umgeben ist die einem selber sagen Ich habe ADHS oder so oder das liegt jetzt an meiner ADHS-Erkrankung.
00:30:39: was würdest du denn Angehörigen, aber auch vielleicht Freundinnen und Freunden etc.
00:30:44: raten wie geht man am besten mit jemandem um der ADAS hat?
00:30:46: Wie kann man dem vielleicht auch helfen sich im Alltag besser zurechtzufinden Auch in so einer Freundschaftssituation.
00:30:51: Ja
00:30:51: also ich glaube dass man als Freund immer der falsche Ansprechpartner ist.
00:30:55: Ich glaube das man sehr schnell einfach auf die objektive Ebene mehr oder weniger lenken sollte.
00:31:00: Also dass man wirklich sagt wenn du jetzt wirklich so die Einstiegsphänomene bei dir ein Stück weit feststellst dann mach es doch wirklich so Dass zu dich an eine professionelle Beratungsstelle dann einfach Wir bieten die ja beispielsweise an unserer Universitätsklinik an.
00:31:14: Andererseits gibt es dir auch noch im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin, der Kinderjugensychiatrie also da relativ schnell professionellen Beistand zu suchen.
00:31:23: das halte ich für unheimlich wichtig um dann letztlich einfach eine fundierte Diagnose und eine multimodale Therapie erhalten zu können
00:31:30: wobei relativ schnell ja relativ schwierig ist weil ehrlicherweise Therapieplätze sind rar.
00:31:36: aber Diagnostik ist nicht leicht
00:31:39: zu kriegen nicht leicht zu kriegen und das ist immer wieder etwas, was uns auch muss man sagen wirklich einfach auch leidtut.
00:31:44: also wenn man auf das Forum ADAS Deutschland guckt da wird schon darauf verwiesen ja dass es Monate bis zu einem Jahr wirklich auch dauern kann bis man wirklich diagnostische Unterstützung bekommt.
00:31:54: leider ist das auch in unserer adas ambulanz nicht einfach.
00:31:57: aber und das is noch mal ein ganz wichtiger punkt wir wollen dadurch Ich sage mal, die diagnostische Zeit mit den Patienten verkürzen.
00:32:04: Weil wir es einfach für so Wichtigheiten aus unterschiedlichen Perspektiven zu schauen.
00:32:07: also gut Ding will Weiler haben.
00:32:09: das könnte sonst durchwaltet das Sprichwort sein, den wir aktuell folgen.
00:32:14: Aber es ist natürlich für uns auch eine unschöne Situation, dass wir die Leute dann quasi ein Jahr vertrösten müssen bis da wirklich eine Diagnostik stattfinden kann.
00:32:23: Wenn ihr die Diagnose gestellt habt nur zum besseren Verständnis kommen die Leute trotzdem regelmäßig weiter zu euch.
00:32:28: oder gehen sie in den niedergelassenen Bereich?
00:32:29: Die gehen vor allem in den Nieder gelassenem Bereich.
00:32:32: Wir sind vor allem eine Diagnoseambulanz und wir stellen schon im Zuge unserer diagnostischen Schritte sicher, dass ein ambulanter Kollege einfach auch übernimmt.
00:32:41: Der kriegt dann einen entsprechenden Brief von uns und letztlich dann einfach auch nochmal Handlungsempfehlungen, aber wir sind natürlich auch gerne danach noch in ambulanten Austausch mit diesen Kollegen und schätzen deren wertvolle Arbeit dann in der Weiterbehandlung dann natürlich enorm einfach auch
00:32:55: ein.".
00:32:56: Kannst du so grob einschätzen von den Menschen, die zu euch kommen mit dem Verdacht?
00:33:00: Ich habe ADHS.
00:33:01: Wie viele wirklich in der Diagnose rausgehen?
00:33:03: also wie ist das Verhältnis zu?
00:33:05: auch Menschen die vielleicht sagen ja ich hab das und eigentlich ihr sagt nee... Also wir
00:33:09: haben das nie wirklich in Zahlen mehr oder weniger erhoben.
00:33:12: deshalb tue ich mich da gerade ein Stück weit schwer.
00:33:15: was aber natürlich ist dass wenn ich mich mit dem Krankheitsbild beschäftigt habe Wenn ich mich umgeschaut habe was sind die Diagnosisstellen dann habe ich mich in aller Regel schon sehr stark auch beschäftigt.
00:33:26: Also da habe ich selber das Gefühl gegebenenfalls betroffener zu sein, da hat mein Umfeld auch schon auf mich eingewirkt in aller Regel so dass wir schon auch in einer eher großen Zahl dann einfach die Diagnosekriterien erfüllt sehen.
00:33:41: Das kann man schon ein bisschen feststellen.
00:33:44: wie viele das dann prozentual sind, das vermag' ich gar nicht so ein Stück weit zu sagen.
00:33:47: Gibt es denn für euch eine Art Verwechslungsgefahr?
00:33:50: Gibt's ähnliche Symptome?
00:33:52: wo man aber sagt ist ganz klar
00:33:55: Ja, da sind wir wieder so ein Stück weit bei den Komobilitäten.
00:33:57: Die man einfach auch für sich im Bezug setzen muss.
00:34:01: Da sind vor allem die agitierten Depressionen.
00:34:03: Da ist es teilweise auch Angsterkrankungen oder spezielle Persönlichkeitsstörungen, die wir immer wieder dann einfach auch ein Stück weiter fragen und man muss dann in Zweifel natürlich auch ein stückweit eine Priorisierung vornehmen.
00:34:14: also jemand der eine ADHS- und eine schwere Depression beispielsweise hat dem gehört natürlich zunächst einmal die schwere depression behandelt man immer so ein Stück weit.
00:34:25: einfach auch gucken, dass man einen individualisierten Behandlungsplan mit den Patienten dann einfach schließt.
00:34:30: Wenn du jetzt oder wenn jetzt jemand das hört und vielleicht auch gerade die Diagnose ADHS bekommen hat, was würdest du Betroffenen gerne mit auf den Weg gehen?
00:34:37: Weil ich meine erstmal eine Diagnosis einer Erkrankung zu bekommen ist ja sicherlich erst mal nicht einfach.
00:34:40: Vielleicht ist es auch schön dass man endlich Klarheit hat.
00:34:43: aber was ist so?
00:34:44: das was ihr vielleicht auch euren Patientinnen und Patienten auf dem Weg gebt Was das jetzt fürs Leben bedeutet?
00:34:49: also ganz wichtig was Ich immer sehr vorheben möchte ist zunächst einmal Die feststellung dass adhs keine Charakterschwäche ist und kein Problem.
00:34:56: letztlich, was sonst stückweit in der Erziehung begründet ist.
00:35:00: Und was ich noch ein Stück weit einfach auch den Patientinnen und Patienten immer einfach auch vermitteln möchte, ist Zuversicht.
00:35:05: Also mit der richtigen Unterstützung und passenden Strategien können Betroffene sehr erfolgreich einfach auch ihre Stärken irgendwann nutzen und ihren beruflichen und privaten Weg auch einfach gehen.
00:35:14: Das finde ich nochmal sehr wichtig.
00:35:16: und grundsätzlich muss ich einfach auch sagen ja die Arbeit mit ADS-Betroffenen macht unheimlich viel Spaß weil man am Ende des Tages PatientInnen aus unheimlicher vielen Backgrounds oder Lebensbereichen mehr oder weniger kennenlernt Ja, so ein Stück weit einfach auch durch diese Lebensgeschichten bereichert wird.
00:35:33: Also wie wir alle gemerkt haben Anja und ich habe viele Fragen aber natürlich ihr habt uns sehr viele Fragen geschickt zu dieser Folge mal wieder wirklich viele Fragen Und deswegen haben wir uns noch etwas Zeit genommen für die Fragen aus der Community zu denen wir jetzt kommen
00:35:46: Nachgefragt!
00:35:50: Die erste Frage, die haben ja schon ein bisschen angerissen das Alter dir diagnostiziert kann man denn eigentlich als Baby diagnostiziert?
00:35:57: Wenn kann man schon bei Kleinkindern merken, dass jemand ADHS hat?
00:36:01: Bei Babys definitiv nicht.
00:36:02: Da wäre ich zurückhaltend und würde keine Diagnose stellen.
00:36:05: Ich halte eine ADHS-Diagnose ab dem vierten bis sechsten Lebensjahr wirklich für zielführend.
00:36:11: Davor können einfach zu viele Confounder irgendwo auch noch mal auftreten, die man gegebenenfalls bedenken muss bevor man dann an ADHS denkt.
00:36:19: Kein Thema was irgendwo die Psyche betrifft wo die Leute nicht ganz konkret nach Therapieplätzen oder Wartelisten in dem Fall für Diagnostik fragen.
00:36:26: das haben wir gerade kurz angeles... gerissen.
00:36:28: Bei euch ist die Warteliste einigermaßen lang, aber ich glaube das betrifft viele oder?
00:36:33: Ich glaube dass betrifgt viele weil am Standort Münster muss man sagen trotz dieser hohen Nachfrage nur fällt es mich wenig ambulant niedergelassene Kollegen sich das Thema auch zu eigen gemacht haben leider ... muss man schon fast vertrösten und wirklich sagen, ja diese Wartezeit die ist wirklich in Kauf zu nehmen.
00:36:51: Dafür bekommt man dann ich kann nur für uns sprechen auch wirklich eine Leitlinien gerechte S-III Konforme Diagnostik mit einfach auch nochmal Einbeziehung sogenannte Nice Guidelines... ...und den sogenannten DGBPN Richtlinien, die wir auch noch berücksichtigt haben.
00:37:05: also das ist ein gut geschnürtes Gesamtpaket.
00:37:08: oft dass es sich dann auch vielleicht ein Stück weit aufzuwarten lohnt.
00:37:10: Und solange bis ich dran bin frage jetzt mal stellvertretend muss ich einfach abwarten oder gibt Strategien bis dahin.
00:37:17: Also eine Strategie sollte zumindest nicht sein auf Social Media entsprechende Tutorials zu buchen für teures Geld, das ist nämlich gefährlich.
00:37:25: und am Ende des Tages hat sich auch in diesen Tutorial teilweise oder bei diesen Kurzvideos die da auf dem Markt sind gezeigt dass die medizinisch fehlerhaft sind.
00:37:35: Da will ich so ein bisschen vorwahren dadurch zu meinen dann wirklich die Wartezeit verkürzen können.
00:37:39: Jetzt haut es eine Frage, ich würde denken von einer minderjährigen Person erreicht.
00:37:43: Zumindest geht's darum wie man denn da schon mit einer Diagnostik beginnen kann?
00:37:46: Ich würde jetzt so verstehen vielleicht auch an sich selbst wenn man minderjährig ist und sich fragt... Hab ich ADHS?
00:37:53: Ja,
00:37:54: also auch als Minderjähriger.
00:37:55: Es ist natürlich möglich einfach über die Kinder- und Jugendärzte oder auch die Kinder und Jugendpsychiatrien sich entsprechende spezialisierte Ambulanzen zu suchen, die eine Diagnostik mehr oder weniger einfach durchführen.
00:38:06: Ich wäre da vorsichtig, zu sehr in die Selbstdiagnose und erst recht nicht in die Selbsterapie dann einfach auch zu gehen.
00:38:12: Das erleben wir leider viel zu häufig und davon jetzt wirklich konkret abzuraden.
00:38:16: Hier kommt eine Frage zu ADHS und Schlaf.
00:38:18: Mit oder ohne Medikamente?
00:38:21: Du hast ja gerade in Abgrenzung schon gesagt, Restless Legs-Syndrom... Genau!
00:38:24: Also muss ich was einnehmen zum Schlafen?
00:38:26: Darf ich das überhaupt?
00:38:27: Also grundsätzlich muss man sagen, Schlafprobleme sind bei ADHS häufig und aus rein psychiatrischer Sicht sind wir natürlich immer sehr vorsichtig einfach auch mit Schlafmedikationen und deren Verschreibung obgleich das Suchtpotenzial bei solchen Medikamenten durchaus gegeben sein kann.
00:38:43: Jetzt kommt noch ein weiterer Problempunkt dazu nämlich dass ADHS-Medikamente auch Schlafstörungen mehr oder weniger begünstigen können und das als Nebenwirkung in sich tragen.
00:38:53: Da ist es noch mal ganz wichtig, einen individuellen Weg dann einfach zu finden und wenn eine medikamentöse Therapie wirklich notwendig ist da sehr kleinschrittig einzudusieren.
00:39:02: So Sachen wie Ashwagandha oder Eldryptophane fällt das auch unter Medikation?
00:39:06: Das fällt ja so ein Stück weit in die OTC Preparate so gesehen.
00:39:11: Ich muss sagen, jetzt spreche ich mal ein bisschen unfachmännisch.
00:39:15: Zumindest im privaten Kreis habe ich schon gehört dass gerade Schwagander einfach auch für Schlafstörungen ein gutes Präparat sein soll.
00:39:21: Ich hab selber noch nicht ausprobiert und will jetzt auch nicht offiziell dazu raten aber es ist zumindest ja eine Option irgendwo die grade aber einfach auch medial sehr beworben wird.
00:39:30: Und die Leber-Experten sind glaube ich nicht so begeistert?
00:39:32: Die
00:39:32: sind nicht so begeistert davon.
00:39:33: das genau der Punkt warum ich da eher skeptisch in meiner Empfehlung bin.
00:39:39: Welchen Einfluss haben denn Mikronährstoffe auf die Symptome von ADHS?
00:39:42: Also bei nachgewiesenen Mengen kann eine Behandlung wirklich sinnvoll sein.
00:39:46: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen jedoch keine evidenzbasierte ADHS-Therapie, so würde ich mal sagen.
00:39:51: ADHS und Masking – wie kann man diese Symptom selbst erkennen bzw dann auch abstellen?
00:39:56: also wenn man selber nicht genau weiß ist das jetzt ein maskiertes ADHS oder...
00:40:03: Ich würde wirklich sagen, so ein Stück weit dieser Ansatz irgendwo die Diagnose für sich selbst rausfinden zu wollen.
00:40:09: Den sehe ich so ein stückweit einfach auch kritisch.
00:40:11: Ich würde eigentlich sagen, lieber die Wartezeit in Kauf nehmen und eine fundierte Diagnostik in Anspruch nehmen um dann wirklich auch eine fundierte Therapie wirklich auch erhalten zu können.
00:40:22: Da bin ich deutlich mehr dafür als letztlich über Selbstbeobachtungen gegebenenfalls dann Selbstmedikation dann irgendwo zu sehen wie man gegebenenfalsch Stabilisiert, das halte ich eher für gefährlich.
00:40:34: Und Masking?
00:40:35: Das ist ja so ein bisschen auch ... verstecken der eigenen Symptomatik.
00:40:38: Das ist ja wahrscheinlich, kann vielleicht kurz funktionieren aber auf Dauer wahrscheinlich auch nichts.
00:40:42: empfehlen wird es zu sagen ich unterdrück einfach mein ADHS so gut es geht und lasse das keinen merken?
00:40:47: Genau!
00:40:47: So würde ich das auch sehen und ich würde dann eher dazu neigen wirklich diese multimodale Therapie in Anspruch zu nehmen die ich gerade letztlich angesprochen habe weil man muss wirklich einfach auch sagen dass eine der Therapien mit der höchsten Wirkstärke in der Psychiatrie überhaupt also über die Kombination von Medikamenten von dem Besuch von teilweise auch Selbsthilfegruppen kann man einen unheimlich guten Effekt und eine unheimliche gute Stabilisierung erreichen.
00:41:14: Dann haben wir noch, auch wieder zum Thema Kindheit Frühchen-Baby erkranken Früchen eher an ADHS?
00:41:19: Ja das ist definitiv der Fall.
00:41:20: also Frühgeburtlichkeit gilt wirklich als Risikofaktor und es mit einem erhöhten ADHS-Risiko verbunden genauso wie halt wie ich das gerade schon angesprochen habe einfach auch der Alkohol oder den Nikotin Konsum der Mutter in der Schwangerschaft.
00:41:35: Und die Frage aller Fragen zum Schluss.
00:41:37: Kann man ADHS verhindern?
00:41:40: Sehr gute Frage.
00:41:40: Zum Schluss auf jeden Fall, also nach heutigen Wissen stand nicht vollständig da genetische Faktoren eine große Rolle spielen gibt es keine sichere Prävention.
00:41:48: ein gesundes Umfeld so wie wir das gerade skizziert haben kann jedoch die Entwicklung und den Umgang mit den Symptomen positiv beeinflussen Und das ist sicherlich eine Botschaft, die wir unseren Hörerinnen und Hörern sehr gerne nochmal mit auf den Weg geben können
00:42:01: Genau weil es ist am Ende ein körperliches Ungleichgewicht der Neurotransmitter
00:42:05: absolut Das ist eine Disregulation der Neurotransmitter und am Ende des Tages kein Charakterproblem, kein Erziehungsproblem.
00:42:13: Und damit sollten die Zuhörerinnen und Hörer mit der Message definitiv aus der Sendung herausgehen.
00:42:19: Lieber Benedikt das war ne super Folge!
00:42:22: Ein wirklicher Ritt durch die Fragen und ich fühle mich richtig gut abgeholt zum Thema.
00:42:27: Herzlichen Dank dass du da warst.
00:42:28: Ja
00:42:28: es hat viel Spaß wieder mit euch gemacht und wie gesagt vielleicht sieht man sich ja sogar noch mal ein Drittes Mal
00:42:33: Wir würden darauf hätten.
00:42:34: Also, wir sind am Ende dieser Folge angekommen obwohl man wahrscheinlich hier noch endlos weiterreden könnte über ADHS weil es gibt so viel mehr Fragen auch wahrscheinlich von euch da draußen.
00:42:44: ich hoffe wir haben die wesentlichen beantwortet.
00:42:46: danke dass ihr Interesse aus der Community gezeigt habt und uns haben ganz viele Fragen erreicht.
00:42:51: in unserer nächsten Folge dann geht es auch wieder um ein Thema, was sehr viele Menschen betrifft und um einen Organ.
00:42:57: Was gerne auch mal wie ein Schmetterling beschrieben wird nämlich die Schilddrüse.
00:43:01: bei etwa jedem dritten Erwachsenen in Deutschland treten im Laufe des Lebens krankhafte Veränderungen der Schildrüse auf beispielsweise Knoten, Vergrößerung, Funktionsstörungen.
00:43:11: allein das ist ein Grund warum wir uns diesem wichtigen Organ und die damit eine hergehenden Erkrankung mit unserem nächsten Gast Dr.
00:43:19: Elena Vorona Bereichsleiterin der Endocrinologie und Diabetologie am UKM anschauen wollen.
00:43:25: Bis dahin bleibt ihr gesund, abonniert und liked diesen Podcast und schickt uns natürlich gerne eure Fragen zur nächsten Folge zu!
00:43:32: Alle Infos die wir hier heute besprochen haben findet Ihr unten in den Show-Notes – und ja dann….
00:43:37: Vielen Dank!
00:43:38: Und das ist wahrscheinlich zum nächsten Mal!
00:43:40: Ich würde mich freuen!
00:43:41: Tschüss, ciao!
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